Carrara - der bekannteste Marmor weltweit

Carrara-Marmor wird bereits seit dem Ende der Römischen Republik abgebaut. Erst der Renaissance-Bildhauer Michelangelo verschaffte diesem Marmor Berühmtheit. Durch ungünstige wirtschaftliche und politische Verhältnisse sowie durch Kriegseinflüsse blieb die Marmorproduktion in Carrara jahrhundertelang hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Gewinnung der schweren Steinblöcke war bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts überaus mühselig und aufwendig und erst technische Neuerungen, wie die mit Dampf, Dieselkraftstoff und elektrischer Energie angetriebenen Steinbearbeitungsmaschinen, ermöglichten den Abbau in großem Umfang. Dadurch wurde Carrara zum internationalen Zentrum der Marmorbearbeitung. Anfang der 1960er-Jahre gelang es, die Produktion der Nachfrage anzugleichen, als die Steinbrüche in exponierter Lage durch ein Netz von Straßen erschlossen wurden.
Entstanden ist Carrara-Marmor im Tertiär vor 30 Millionen Jahren, weil sich die Kontinentalplatten von Afrika und Europa aufeinander zubewegten und zu den Apuanischen Alpen aufwölbten. Dabei wurden die Calcit-Ablagerungen aus abgestorbenen Meeresorganismen unter hohem Druck und sehr hohen Temperaturen zusammengepresst und wandelten sich dadurch zu Marmor.
Neben einer Verwendung für Bildhauerarbeiten und Denkmäler wird Carrara-Marmor heute vor allem als Boden- und Treppenbeläge und Fensterbänke im Innenausbau sowie als Natursteinfliesen in Bädern verbaut. Die Steinbildhauer verwenden wie früher den legendären und teuren Statuario. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch 100.000 Tonnen jährlich gewonnen wurden, sind es heute ca. 5 Mio. Tonnen.
Verwendung Carrara Marmor
Es gibt im Raum Carrara circa 50 verschiedene Marmorsorten (z. B. Carrara-Marmor C, Ordinario, Venato, Calacatta, Statuario, Bardiglio, Gioa usw.). Der wertvollste ist der sogenannte „Statuario“, der Marmor für Statuen. Große Statuario-Blöcke sind heute selten und teuer geworden. Der Statuario ist nicht in Gänze weiß, sondern teilweise gelblich gestreift. Statuario ist besonders feinkörnig und ermöglicht filigrane Bearbeitungen durch die Steinbildhauer.
Carrara-Marmor ist nicht ausschließlich weiß, sondern mitunter grau bis blau, gelblich oder rötlich. Die gelbe Farbe wird durch Limonit, die blaue und graublaue durch Grafit, kohlige Substanzen oder Bitumen und die rötliche durch Hämatit hervorgerufen. Es gibt aber auch extrem dunkelblaue Carrara Sorten. Chlorit und Serpentin-Minerale färben grün. Ein unter den Carrara-Marmoren einmaliges Muster weisen Calacatta Vagli mit rotbraunen bis rötlich-grauen Arabesken auf weißem Grundton und Calacatta Rocchetta mit graugrünlichen Arabesken auf. Diese stofflichen Beimengungen in den ursprünglichen Kalksteinen führen zu dem für viele Marmore typischen Dekor, zur Marmorierung, die sich in unterschiedlichen Farbschattierungen zeigen kann
Die weißen Carrara-Sorten können im Einzelfall feinstverteiltes Pyrit-Mineral enthalten und sich nach dem Einbau gelb bis bräunlich verfärben. Pyrit kann sich unter Einwirkung von Wasser zu Schwefelsäure zersetzen. Carrara-Marmore haben eine unter 0,5 Volumenprozent liegende Wasseraufnahme und zählen aufgrund dieser Eigenschaft zu den frostfesten Gesteinen.
Neben der Verwendung für Bildhauerarbeiten und Denkmäler wird Carrara-Marmor beispielsweise für Boden- und Treppenbeläge sowie für Fensterbänke im Innenausbau und Natursteinfliesen oder Becken in Bädern genutzt. Im Konditoren Gewerbe kommen häufig Arbeitstische aus Carrara-Marmor zum Einsatz, da Zuckerguss schnell abkühlen muss und Marmoroberflächen hierfür besonders geeignet sind, des Weiteren haftet Teig nicht auf Marmoroberflächen an.
Als Roh Block kostet ein Kubikmeter Carrara-Marmor etwa 1.500 Euro, wobei hochwertigste Sorten einen Preis von 10.000 Euro und mehr je Kubikmeter erzielen können. 50 Prozent der heutigen Förderung gehen in arabische Länder, beispielsweise für den Innenausbau von Flughäfen oder Moscheen. Insgesamt werden drei Viertel der Gesamtproduktion ins Ausland exportiert. Circa 3500 Menschen sind in Italien für Firmen des Marmorabbaus tätig, davon gut 1000 im direkten Abbau. Im Jahre 1999 wurden eine Million Tonnen verarbeitet, dabei entstanden etwa drei Millionen Tonnen nicht verwertetes Material, also Steintrümmer. Dies bedeutet einen Abbau von etwa 1,5 Millionen Kubikmetern Gestein. Die Trümmer werden teilweise weiter zu Marmormehl für industrielle Zwecke, zu Marmorsplitt und zu Kies für Gartengestaltungen verarbeitet.
Eine Besonderheit am Rande sollte nicht unerwähnt bleiben, die inzwischen eine Spezialität für Feinschmecker geworden ist: Der Lardo di Colonnata (Speck aus Colonnata) ist ein sehr fetter Speck, der in dafür hergestellte Marmortröge mit Salz, Gewürzen und Kräutern geschichtet wird und mindestens ein halbes Jahr darin reifen muss. Für die Marmortröge eignet sich nur ein speziell ausgesuchter großkristalliner Carrara-Marmor. Lardo di Colonnata war früher das Essen der Steinarbeiter, die energiereiches Essen für ihre harte Arbeit benötigten.

